Die Apostolische Tradition 1

Stärkung für den Weg

„Und die einen hat Gott in der Gemeinde eingesetzt erstens als Apostel, zweitens andere als Propheten, drittens als Lehrer …“ (1.Kor.12,28a)

Eine neue apostolisch- prophetische Bewegung in Europa.

Die Bibel zeigt uns an mehreren Stellen, dass es Gottes Interesse ist, Seine Kinder immer wieder zu den guten Anfängen zurückzuführen. In unserem persönlichen Glaubensleben geht es dabei um die Erneuerung der Persönlichkeit. In 2.Kor 4,16 ermutigt Paulus „ … wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, so wird doch der innere Tag für Tag erneuert.“  Und in Offb. 2, 4 kritisiert der Herr die ganze Gemeinde der Epheser, daß sie die erste Liebe verlassen haben und fordert sie auf zu den Anfängen ihres Glaubenslebens zurückzukehren.
Lauheit und Trägheit ist meist ansteckend, sodass eine ganze Gemeinde in einen geistlichen Schlaf fallen kann. Die Geschichte der Gemeinde ist eine Geschichte geistlicher Erstarrung und geistlicher Erneuerung im Wechsel. Oft war nur eine Generation lebendig und voller Liebe für Jesus und schon die nächste Generation verlor sich in Traditionen und Lauheit. Nachdem die Gemeinde durch die Reformation aus dem Tiefschlaf des Mittelalters erwacht war, geschah dieser Wechsel immer schneller. Es folgte eine erweckliche Bewegung nach der anderen, um die Gläubigen aus der Erstarrung der vorangegangenen Generation herauszuholen. Immer entstand eine neue Bewegung, aus der in der Regel eine neue Denomination hervorging. Auf diese Weise sind in den vergangenen Jahrhunderten mehrere Tausend Denominationen entstanden, die meist immer einen individuellen Schwerpunkt hervorgehoben haben, um ihn zu ihrer Lieblingslehre zu machen. Gut daran ist, dass dadurch viele geistliche Wahrheiten im Laufe der Zeit erneuert wurden – schlecht daran ist, dass der eine Leib Jesu immer und immer wieder aufs Neue zerteilt wurde. Dadurch konnte er nicht in die Einheit hineinwachsen und blieb auf lange Sicht gesehen insgesamt schwach. Es gibt in weltlichen Kreisen und in der Politik die Redewendung „Teile und herrsche“. Sie zeigt ein Herrschaftsprinzip, das auch der Feind der Gemeinde angewandt hat, um zu verhindern, dass der Leib Jesu siegreich und stark wird. Wir sehen das z.B. an den Täufern, die eine unerschrockene und feurige Bewegung, im 15. und 16. Jahrhundert war.  Selbst Verfolgung, Folter und Mord konnte sie in ihrer Ausbreitung nicht stoppen. Doch das Ende ihrer Stärke war schon nach weniger als 50 Jahren besiegelt, nachdem Streitigkeiten in Lehrfragen eine Spaltung in 4- 5 verschiedene Richtungen erzeugte.

Die große Bedeutung der Dienste für die Gemeinde

Paulus sagte in Eph. 4,11-19, dass die Gemeinde zugerüstet und auferbaut wird durch die Tätigkeit der Dienste. Es ist ihre Aufgabe, die Gemeinde zu unterstützen, damit sie in die Einheit des Glaubens kommt, und in Christus erstarkt. Durch ihre Arbeit werden die einzelnen Gläubigen wiederhergestellt und trainiert und es entsteht eine Gemeinde, in der jeder Einzelne fähig wird, entsprechend seiner Berufung zu dienen. Noch sind wir nicht an diesem Punkt, wo die Zurüstung und Auferbauung die Gemeinde wiederhergestellt ist, wie sie in den ersten Jahrhunderten war. Es muss aber unser Ziel sein und bleiben – die Gemeinde soll zubereitet sein als die Braut Jesu, die am Ende ohne „Flecken und Runzel“ dem Bräutigam entgegengeht. Die Dienste leben in einer Schicksalsgemeinschaft mit der Gemeinde, damit dieses Ziel erreicht werden kann. Weil die Dienste bei der Wiederherstellung der Gemeinde eine Schlüsselrolle haben, wenden wir uns ihnen hier in voller Aufmerksamkeit zu.
Wenn die Gemeinde wirklich erneuert, reformiert und restauriert ist, dann werden die Heiligen zum Dienst zugerüstet sein und das Ende kann kommen. Wiederherstellung oder Reformation setzt doch voraus, dass es in der Vergangenheit einen „fertigen und vollkommenen Zustand“ gegeben hat, den wir wieder haben wollen. Deshalb erscheint es sinnvoll, einen Blick auf die Anfänge der Gemeinde zu werfen, als diese noch im Sinne Gottes funktionierte, um davon zu lernen und zu sehen was wir auf heute übertragen können. Dabei müssen wir beachten, dass sich die Gemeinde Jesu im Laufe der Jahrhunderte im Sinne der Anpassung an kulturelle und soziale Umstände weiterentwickelt hat. Es geht uns also hier mehr um die geistliche DNA der Gemeinde, in der es unverzichtbare Grundlagen und Prinzipen gibt, die auch heute noch von großer Bedeutung sind und eine Rückkehr zu diesen Anfängen erscheint als notwendig.

Die Dienste in den ersten 3 Jahrhunderten der Gemeinde

Der wesentliche Charakter der Apostel*, Propheten und Lehrer in den ersten drei Jahrhunderten nach Christus war es, dass sie als Diener Gottes ständig unterwegs waren. Sie waren Wanderprediger und gingen in der Regel keiner eigenen Lohnarbeit nach (1.Kor.12, 28).  Sie übten keinen dauerhaft lokalen Dienst an einem Ort oder in einer Gemeinde aus, sondern bewegten sich hin und her in der damaligen Welt, insbesondere im römischen Reich. Auf der Suche nach neuen Gelegenheiten das Evangelium zu verkünden besuchten sie auch die bestehenden Gemeinden, um sie zu stärken, zu lehren und zu korrigieren. Sie wirkten oft als Pioniere und drangen in neue und unerreichte Gebiete vor, wo immer der Geist Gottes sie hinführte.
Am Beispiel der Gemeinde in Jerusalem sehen wir, dass schon in den Anfängen die Apostel nicht in der Gemeinde vor Ort blieben, sondern von einem Ort zum anderen zogen. Sie folgten dem Beispiel Jesu, der genauso als Wanderprediger umherzog und das Reich Gottes predigte. Und sie waren dem Befehl Jesu gehorsam, in alle Welt zu gehen (Apg.1, 8; Mt. 28,19). In Jerusalem und in allen anderen neuen Gemeinden setzten sie Älteste ein, die für die Aufsicht und Verwaltung verantwortlich waren, damit sie weiterziehen konnten. Sie kamen zuerst nach Judäa und Samaria und zogen entlang der Mittelmeerküste bis nach Cäsarea. Von dort gelangten sie in die römischen Provinzen Galatien, Kappadokien und Klein- Asien. Einigen Berichten zu Folge kam Petrus sogar bis Rom und starb dort. Auch die anderen Apostel zogen in ferne Länder, um als Pioniere das Reich Gottes auszubreiten. Von Thomas wird berichtet, dass er bis nach Südindien reiste. Noch heute gibt es viele Gemeinden und Kirchen dort, die ihren Ursprung auf seine Missionstätigkeit zurückführen.
Am meisten wissen wir über die Missionstätigkeit des Paulus, der von Jesus zum Apostel berufen wurde, obwohl er nicht zu den „Zwölfen“, den ersten Aposteln gehörte. Das neue Testament berichtet nur über drei seiner vielen Missionsreisen, die er immer mit Teams unternommen hatte. Es ist davon auszugehen, dass er auch die Balkanländer bereiste und bis nach Spanien kam. Zu dieser zweiten Generation von Aposteln, Propheten und Lehrern zählten auch Barnabas, Markus, Aquila, Priscilla, Apollos, Xenas, und etliche andere, die im NT erwähnt werden.
Das geschah im ersten Jahrhundert, doch auch in den folgenden 200 Jahren gab es die wandernden Apostel, Propheten und Lehrer, die diese Art von Dienst fortsetzten. Eine zuverlässige historische Quelle ist die Didache (Die Lehre der 12 Apostel), die im zweiten Jahrhundert verfasst wurde. In den Kapiteln 11 und 13 werden Anweisungen gegeben, wie die Gemeinden mit den wandernden Apostel, Propheten und Lehrern umgehen sollen. Diese Schriften bestätigen die Existenz der mobilen Dienste, zeigen aber auch, dass schon damals erste kirchliche Traditionen für ihr langsames Verschwinden sorgten. Mit der Konstantinischen Wende im 3. Jahrhundert, als das Christentum im Römischen Reich volle Anerkennung bekam, war ihr Ende gekommen. Die mobilen Dienste wurden fast überall durch Bischöfe und Katecheten ersetzt, die am Ort und in der Gemeinde auf Dauer dienten. Nur im Norden blieb die ursprünglich missionarische Wirkung der Dienste noch viele Jahrhunderte in der iro- schottischen Kirche erhalten und von ihrem Segen profitierte ganz Europa bis ins 8 Jahrhundert.
Die Tätigkeit der wandernden Apostel und Propheten war umfassend und konsequent. Es ging ihnen nicht nur um Evangelisation, bei der die rettende Botschaft von Jesus Christus verkündigt wurde. Sie waren nicht daran interessiert, nur viele neue Bekehrte zu sammeln. Ihre Arbeit beinhaltete auch, und das war der wesentlich größere Anteil, das Training und die Ausbildung der neuen Gläubigen zu Jüngern. Sie machten es so, wie Jesus und später auch Paulus es vorgelebt hatten. Sie folgten den Anweisungen Jesu aus Mt.28, 19.20 „machet zu Jüngern und lehret sie alles zu bewahren, was ich euch geboten habe.“ Sie vergaßen nicht den praktischen Bezug und kümmerten sie sich deshalb auch um die Bildung und Gründung von Gemeinden und Gemeinschaften in denen die Prinzipien des Reiches Gottes in allen Lebensbereichen umgesetzt werden konnten.
Schon im ausgehenden zweiten Jahrhundert hatte sich die frühe katholische Kirche etabliert, die den Schwerpunkt auf die Ausbildung der lokalen Kirchenorganisation mit Kirchenrecht legte. Der Aufbau klerikaler Strukturen mit festen Kirchenhierarchien verfestigte die Gemeinde und führte langsamen zur Erstarrung. Der Bischof wurde über die Ältesten gesetzt und bestimmte das geistliche Leben der Gemeinde. Die lokalen Kirchen wurden in überregionale Kirchenbezirke zusammengefasst und einem  Erzbischof unterstellt. Außerkirchliche Dienste fanden dabei keine Akzeptanz mehr und verloren ihre Autorität. Sie wurden durch die Arbeit der Bischöfe und der Katecheten in der Gemeinde ersetzt.

(*und Evangelisten)

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Richard